4 Tage mit Bergführer Herbert Taxer. Klettertour am Kofel (Oberammergau), Mittenwalder Klettersteig mit Schneefeldüberquerungen, Höhentour auf die Weißseespitze (3.500m) im Kaunertal und eine 10 Seillängentour vom Dammkar bis auf den Predigtstuhl.
Dienstag

Treffpunkt Wolfsburg um 15.30h. Abfahrt um 16.00h. Auf geht's nach Scharnitz in Österreich. Das Aldi-Bier schmeckt schon mal. Was uns wohl im Karwendel erwartet. Hauptsache Herbert Taxer ist ein lässiger Bergführer, den er muss es ja 4 Tage mit uns aushalten.
22.30h Ankunft in Scharnitz (Österreich). Für die nächsten 5 Nächte wohnen wir im Haus Angerer, eine sehr nette Pension, wo wir das ganze Haus nur für uns haben (und den Zug, der halbstündlich durch das Wohnzimmer fährt...).
Mittwoch

Am ersten Tag lernen wir Herbert Taxer kennen, unseren Guide. Er war 53 aber dennoch recht locker, so locker wie es halt für einen Österreicher geht.
Die Kennenlerntour wird uns auf den Kofel bei Oberammergau führen (Der gute Kofel). Eine Drei-Seillängen-Tour die wir im Zug nachgesichert gehen sollten. Nach knapp einer Stunde und 400 Höhenmetern erreichen wir den Einstieg. Eine feine Aussicht auf Oberammergau und eine exponierte Stelle zum Anfang. Die 3 Seillängen führten im 3. Schwierigkeitsgrad durch vereinzelte Latschen auf den Gipfel. Durch die domförmige Form des Kofelgipfels, war bei strahlendem Sonnenschein eine kleine Rast mit herrlichem Blick eingeplant.

In Scharnitz übten wir im Sportklettergarten den Vorstieg und genossen den schönen Abend mit gut gesicherten Kletterrouten. Nach dem Abschlußbier, der Fahrt vom Vortag und den heutigen Höhenmetern fielen wir hundemüde ins Bett.
Donnerstag

Aufstehen, keine Wolke, perfekt.
Nachdem Herbert uns an der Pension abgeholt hat sind wir nach Mittenwald gefahren und mit der Karwendelbahn auf 2240m gehoben worden. Hier lag noch ein Haufen Schnee. Thema der heutigen Tour: Mittenwalder Klettersteig als Gratüberschreitung mit Schneepassagen. Schon gleich am Anfang gab es einige davon, die wir in einer gesicherten Seilschaft meisterten.

Nach ein paar Stunden merkten wir, dass wir die Sonnencreme im Auto haben liegen lassen. Zack, Sonnenbrand. An einer weiteren längeren Schneeüberquerung, mussten wir dann die Steigeisen anlegen und bewaffnet mit Eispickel kämpften wir uns, Herbert vorne weg, den Berg hinauf. Eric der Schaufelmeister meinte an der schwierigsten Stelle sich lieber durch den Schnee durchkraulen zu müssen, danach legte er eine halbstündige Konzentrationspause ein. Daniel half mit Handauflegen und klugen Sprüchen. In der Zwischenzeit bekam ich an meiner Schulter einen Stein ab. Ich hörte es kurz rauschen, dann der Schmerz und ein blauer Fleck für eine Woche. Herbert meinte noch, ein Helm hätte mir auch nichts gebracht, schließlich landete der Stein auf meiner Schulter.

Auf der südl. Linderspitze (2305m) gab uns eine Brotzeit wieder Kraft für den Rest der Tour. Es folgten weitere Gratabschnitte und ein Abstieg im Schnee, wo ich als sonst zuletzt Gehender als erster absteigen musste. Nach dem letzten Gipfel des Mittenwalder Klettersteigs sind wir auf einem Schneefeld bis zur Tiroler Hütte abgelaufen, hier fehlten eindeutig die Skier. Nach unendlichen Serpentinen durch Latschenfelder, stoppte Herbert und meinte einen bekannten Geruch in der Nase zu haben, er fragte ob wir es auch schon riechen würden. Nach weiteren 15min erreichten wir auf 1560m die Brunnstein-Hütte. Herbert hat also Weissbier gerochen. Herrlich kühl und frisch. Beim Bier hatte Herbert noch eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute, wir machen morgen eine Höhentour auf 3.500m, die schlechte: 5.00h Abfahrt in Scharnitz.
Freitag

3.45h Aufstehen. Der Schädel brummt, da Herr Kluge gestern abend meinte, einen feinen Obstler-Cocktail mit Birne mixen zu müssen. Nachdem die vier Gläser einmal gefüllt waren, war die Flasche fast leer.
Um 07.00h erreichen wir die Talstation im Kaunertal unterhalb der Weißseespitze, die erklimmen werden. Der Skizirkus ist schon voll am Toben, während wir auf der Blaupiste von 2750m auf 3100m aufsteigen.

Nach einer gemeinsamen Pinkelpause legen wir unsere Steigeisen und das Sicherungsgeschirr an. Mit Eispickel im Seilknoten in der rechten und Seil in der linken erstiegen wir die ersten Höhenmeter in Richtung Spitze.
Ein Fehler den wir definitiv begangen hätten, wäre das zu schnelle Steigen in dieser Höhe. Schön langsam aber dafür rythmisch arbeiteten wir uns Meter für Meter vor und hoch.

Eine Stunde später meinte Herr Kluge noch seinen Obstler merken zu müssen und wir machten eine kleine Rast auf einer Schneewächte. Tylerscher Tee und eine Banane kann einen wieder nach vorne bringen, außer natürlich Eric, der nur Tee trinken kann, wenn er krank ist.

Über den Grat mit herrlichem Fernblick geht es an die letzte Steigung und wir erreichen den Gipfel der Weißseespitze 3.500m. Die Höhenmeter gehen uns Flachlandtiroler mächtig in die Birne, wo nach dem Birnenwasser von gestern eigentlich kein Platz mehr war. Besonders Herr Kluge klagte über ein mangelndes Raumangebot unter seinem orangenem Stihl-Helm.
Eine halbe Stunde später waren wir wieder unterwegs und es wurde jetzt zunehmends wärmer und der Schnee sulziger. Über ein Gletscherfeld und ein interessanter nach beiden Seiten stark abfallender Grat mit kleinen Wächten erreichten wir die Skipiste etwa 500m unterhalb des Gipfels.
Noch ein Weissbier auf der Rückfahrt, für Herrn Tyler eine Magencola.
Das Bett rief heute abend schon sehr früh...
Samstag

Wieder fahren wir mit der Karwendelbahn auf 2250m um danach über das Dammkar wieder 500m abzurutschen. Zwar steil bergab, dafür aber voll Schnee und wir voll Schweiß.
Direkt auf der Höhe der Dammkarhütte 1650m warfen wir uns in unsere Kletterklamotten und bereiteten uns auf den Soldatenweg vor. Ein 10-Seillängen-Aufstieg auf den Predigtstuhl (1900m) mit Kletterei im 3. Grad.
Gleich am Anfang bekamen wir noch einen Einlauf von Herbert bezüglich unserer Seilkommandos. Dann lief es aber immer sauberer und sicherer.

Die Eigensicherung mit einem Mastwurf im ersten Karabiner und darunter eingehängt der HMS zur Sicherung des Nachsteigenden, bzw. Vorsteigenden. Sehr luftig stiegen wir hinauf, wobei Herbert die Sicherungen vorbereitete und wir in zwei Seilschaften (Eric-Daniel K., Daniel T.-Lars) im folgten.

Der anfangs gefürchtete Vorstieg in dieser Exponiertheit war durch gute Sicherungen und griffigen Fels lange nicht so schlimm, wie befürchtet. Einzigallein lose Geröllsteine suchten sich ab und zu durch die Seilbewegungen oder unvorsichtigte Fußtritte ihren Weg auf unsere Helme.

Nach knapp 3 1/2 Stunden erreichten wir den Ausstieg und waren mächtig stolz auf unsere Leistung. Der Anfang für folgende Mehrseillängentouren ist gelegt.
Der Abstieg über das Schuttkar ergab Abstiegsgeschwindigkeiten von bis zu 65 Höhenmeter/min. Die Stiefel sahen danach dementsprechend staubig aus. Auf der Dammkarhütte schmeckten uns drei Weizen und die handgemachten Bratkartoffel der Wirtin.

So wie sich das gehört wird eine Tour immer im Wasser abgeschlossen. Dies erledigten wir in der Isar bei Mittenwald. Dort enstanden auch noch feine Helmbilder...
Sonntag
Ausgiebiges Frühstück am letzten Morgen. Um 7:30h fahren wir los zurück in unsere Heimat. Die Gedanken an eine sehr erlebnisreiche und stark abwechslungreiche Tour rauschen uns durch den Kopf und der Passat über leere Autobahnen nach Norden.
Herbert, wir kommen wieder!