5 Tage über Pfingsten an den Gardasee. 7 Klettersteige aller Schwierigkeitsgrade.
Mittwoch
Schon am Dienstag-Abend starteten wir in Wolfenbüttel in Richtung Süden. Um 4.30h kamen wir dann am Monte Bondone an.

2h konnten wir noch auf 1500m ein kleines Nickerchen machen. 0°C und ein eisiger Wind ließ uns aber nicht sehr fest schlafen. Nach einem Brötchen vom Vortag und einen Kaffee aus der Termoskanne, rief uns die Süd-Westwand des
Monte Bondone.

Aufgrund des Tauwetters gab es immer wieder Steinschläge in unserer Nähe. Nach der durgefahrenen Nacht, waren wir sehr erschöpft und mussten öfter pausieren. Dann endlich erreichten wir den Gipfelgrat, der auf der Nordseite noch komplett schneebedeckt war.

Jetzt noch 100 Höhenmeter durch dicken Schnee zum Gipfel und wir konnten den ersten Klettersteig als gemeistert sehen.
Über Trento und Rovereto sind Bodo und ich über die Landstraße nach Avio gefahren. Dort Richtung Westen die Serpentinen hoch in das Monte Baldo-Massiv. Der Klettersteig des nächsten Tages lächelte uns schon zu:
Gerardo Sega. Die Nacht verbrachten wir in der Nähe des Ausstieges, an der Kapelle Madonna delle Neve. Ein kleines Lagerfeuer und Bier aus Plastikflaschen erzeugten die so gefeierte Outdoorromantik.
Donnerstag
Geweckt wurden wir von einem sehr schönen Sonnenaufgang. Auf den Gipfeln des Monte Baldo lag tatsächlich noch Schnee. Auf dem Weg durch das Tal nach unten begneten wir immer wieder Eidechsen und sogar einer Aesculapnatter. Obwohl wir sehr früh gestartet sind waren wir nicht die einzigen am Berg. Der Klettersteig
Gerardo Sega begann mit einer kurzen Leiterpartie, die dann auf grandiose Bänder überging.

Man geht unter einem ca. 50m überhängendes Dach entlang, bevor es wieder senkrecht nach oben geht mit schönen Ausblicken in das östliche Tal. Der Ausstieg am Gipfel überrascht mit einer exponierten Stelle, die das Fotografieren zur Pflicht macht.
Der nächste Schlafplatz ist der kultige Zoo-Camping in Arco (der leider auch immer teuerer wird).
Am Abend beschlossen wir eine Nachtbesteigung des
Colodri durchzuführen. Da dieser Klettersteig technisch nicht anspruchsvoll ist und ich ihn schon zigmal als "Erholungsklettersteig" gegangen war, ging von ihm keine wirkliche Gefahr aus.

Leider gab es doch adrenalinhaltige 10 Minuten. An der einzigen senkrechten Passage verklemmte sich mein Attack-Karabiner an einer Seilschlaufe. Esrt unter Aufbringen enormer Kraft und einer bestimmten Stellung des Karabiners schafften Bodo und ich die verzwickte Situation zu lösen. Oben hatte wir einen super Ausblick auf Riva und den Gardasee.
Freitag

Am nächsten Tag beschließen wir vormittags etwas in Arco shoppen zu gehen und am Nachmittag den
Rio Sallagoni in der Schlucht zum Castel Drena zu klettern. Die Schlucht ist leider schon sehr bekannt und dadurch stark verwittert. Das Castel ist auch wirkliches Ausflugziel, da alles nur auf italienisch ist. Das Birra kostet auch viel und ist nur in Dosen verfügbar.
Samstag
Kurz vor 6 aufstehen. Der
Cima SAT lockt uns aber das Wetter sieht leider nicht sehr gut aus. Das bedeutet früh aufstehen und so früh wie möglich am Berg sein. Bodo und ich halten nun den Rekord für Käffchen und Abfahrt.

Um 7.30h fanden wir in Riva einen Parkplatz und es wartete der zermürbende Aufstieg zur Gasthütte auf halber Höhe. Etliche Serpentinen führten am östlichen Gardaseeufer gelegenen Cima SAT hinauf und endlich erreichten wir nach 500 Höhenmetern die Gasthütte. Das Wetter war wirklich nicht optimal, aber immerhin regnete es noch nicht.
Das war in Angesicht der mehreren Hundertmeter Leiter vor uns auch gut so. Es wurde immer steiler und schließlich erreichten wir die erste Leiter, die auf halber Höhe noch ein Zwischenpodest aufweist. Hier habe ich mich vor 6 Jahren fast mit den Händen kaltverschweisst...
Als wir um 11.30h den Gipfel nach 1200 Höhenmetern erreichen sind wir erschöpft und tragen uns in das Gipfelbuch ein.
Leider ist die Ausicht etwas diesig und es beginnt jetzt auch zu regnen. Gut das wir nun auf dem Rückweg sind.
Völlig durchnässt erreichen wir um 14.00h das Auto.
Sonntag
Da der Himmel immer noch voll Wolken hängt, beschließen wir den Campingplatz zu verlassen und falls es sich nicht bessert, nach Hause zu fahren. Zum Glück kam die Sonne noch ein paar Mal zum Vorschein und wir konnten den
Monte Albano in Mori in Angriff nehmen.

Dieser war leider recht überlaufen und man musste 15min warten, bis es losgehen konnte. Aber hier trennte sich die Spreu vom Weizen. Es ist einer der anspruchvollsten Klettersteige überhaupt. Noch vor 6 Jahren hatte ich die Hosen dermaßen voll, was jetzt glücklicherweise nicht mehr der Fall ist und man sich auf Klettern konzentrieren kann.
Schöne absolut senkrechte und überhängede Passagen wechseln sich ab mit horizontalen Wegen ohne jeglichem Boden. Nach 2h ist man 300m höher und am Ausstieg. Der Rückweg bietet zwei Möglichkeiten, wobei wir diesmal den östlich Weg gingen, der noch mehrere Kletterpassagen beeinhaltete.
Auf dem Rückweg Richtung Norden bogen wir in Mezzocorona westlich ab, um am Nachmittag noch in der
Burrone-Schlucht aufzusteigen. Dieser Weg ist technisch sehr leicht, man braucht fast keine Sicherung. Die Schlucht geht nach einem anstrengenden Weg in der prallen Sonne, dann direkt in den Fels, wo es fast kalt erscheint. die Seitenwänden sind ca. 100m hoch und durch das Schmelzwasser stark ausgewaschen und verwinkelt. Immer wieder stürzen kleine Wasserfälle die Wände hinunter. Vom oberen Ausstieg geht man dann ostwärts eine ganze Weile, bis man zu einem kleinen Ausflugsort gelangt, von wo man dann mit einer Seilbahn wieder hinuterfahren könnte (nur für Weicheier...) Für uns gab es hier oben ein Birra und danach einen Blitzabstieg nach Mezzocorona.

In einer kleinen Bar gab es für uns das Abschlußessen und ordentliches Weizen. Nachdem Fußmarsch in der untergehenden Sonne hinter der Brenta, erreichten wir den kleinen See am Fuße der Burrone-Schlucht, wo wir nächtigten und früh am nächsten Morgen nach Wolfenbüttel und Wolfsburg aufbrachen.