05.09. – Mit dem Truck unterwegs

Packen, packen, packen, war unser Motto heute früh. Komischerweise sind die Taschen und Rucksäcke jetzt schon viel kleiner als noch in Deutschland. Man gut, daß hier der Verpackungswahn herrscht, da hatten wir genügend Tüten übrig. Ab 9.30h haben wir in der Campingplatz-Jacuzzi gesessen und noch Tennis geguckt bis wir abgeholt wurden: Kiefer-Norman – Sieg für Kiefer in N.Y. Um 11.15h kam dann der kleine Opi, der uns in einem Kleinbus nach Abbotsford gebracht hat. Das war ein wirklich lustiger Geselle, kannte alte Geschichten, wie z.B.: "Ihr wollt Bären sehen? Ganz einfach, 'ne Scheibe Brot mit Honig geschmiert, die Frau in den Wald schicken, die kommt dann irgendwann zurückgerannt mit dem Bären im Rücken, der Mann wartet derweil mit dem Fotoapparat..."
Und dann stand er da, der fette Ford Pickup Camper, V10, 3,5l. Die erste halbe Stunde haben wir zum Einpacken gebraucht und dann hat uns Heinrich von H&H eingewiesen. Automatik, bin ich ja auch noch nie gefahren, war erst komisch, da man immer die Gangschaltung gesucht hat. Jetzt hieß es Einkaufen was das Zeug hält, den Kühlschrank füllen und da daß sehr stressig war, belohnten wir uns mit dem McExtra von McDonalds.

Noch schnell 'nen paar Dosen Molson und Cider aus dem Liquor Store und dann ab die Post auf dem Highway zurück nach Vancouver. Horseshoe Bay, Squamish bis nach Whistler, sehr schöner, schon nicht mehr verschlafener, aber dennoch sehr sehenswerter Wintersportort. Da wir hier leider keine Bleibe für die Nacht gefunden hatten sind wir weiter bis kurz vor Pemberton. Dort haben wir einen sehr schönen Provincial Park mit Ausblick auf den Lillioet River und dem Gott Peak (2819m). Hier gab's auch die erste Lagerfeuer-Romantik.
06.09. – Tiefe Canyons und Goldgräberroute

Auf der 99 kamen wir durch gewaltige Canyons und tollen Panoramamotiven vorbei. Hier ist Imke das erste (und auch letzte) Mal gefahren. Am Anfang etwas steif und chinesisch, legte sich die erste Anspannung aber nach einer Weile. Nur bei sehr tiefen Schluchten wurde sie wieder nervös.
Die Landschaft wurde jetzt karger und sah langsam mehr Grandcanyon-artig aus. Bei Supersonnenschein mussten wir nun auch die Klimaanlage einschalten.

Schließlich erreichten wir gegen Mittag die Hat-Creek-Ranch, ein altes Roadhouse auf dem Cariboo-Trail, der alten Goldgräberroute nach Norden. Die Führung eines Indianers (geile Frisur) war im Gegensatz zu den Äpfeln im Garten hervorragend und sehr interessant.
Am Kamloops Lake vorbei fuhren wir nach Kamloops, wo wir das erste Mal tanken mussten. 21 l/100km haben bisher verbraucht und das war Benzin. Ziemlich durstig der kleine Ford-Motor...Richtung Vernon wurde es wieder grüner und es sah mehr nach Mittelgebirge aus. In Vernon haben wir dann endlich einen Campingplatz gefunden. Direkt am Okanagan-Lake gelegen gab's einen schönen Sonnenuntergang. Im Sommer laufen hier Schildkröten auf dem Platz herum, um Eier zu legen.
07.09. – Auf dem Mt. Revelstoke
Leider ist heute nicht so schönes Wetter wie gestern. Wir fahren Richtung Revelstoke National Park. Nach einiger Zeit halten wir an einem niedlichen Fruit Shop und kaufen uns Blaubeeren und Maiskolben. Lars will heute Pfannkuchen mit Blaubeeren machen. Irgendwann ist es dann soweit. Der Himmel wird immer dunkler und es fängt an zu tröpfeln.
Wir kommen dann zum "Three Valley Gap" – eine Geisterstadt. Aber leider war es doch eher nur der tierische Touristenaufriss. Eine Führung, nicht zu vergleichen mit der unseres kleinen Indianers der Hat Creek Ranch, und die alten Häuser waren zum größten Teil mit modernen Accessoires untermalt. War also mies. Auf dem Gelände steht auch ein größeres Hotel mit einer Honeymoon Suite. Komplett aus Felsen und die Dusche war ein Wasserfall, ganz witzig.
Mittlerweile war es dann auch noch kalt geworden und je mehr wir uns dem Mt. Revelstoke National Park näherten, umso bewölkter wurde es. Auf dem Weg zum Mt. Revelstoke machten wir Mittagspause und Lars die Pfannkuchen. Schade, diese brannten völlig an, weil die Pfanne nicht grade antihaftbeschichtet war und Lars Laune war im Keller...
Nach dem Essen, Brot, gingen wir zum Gipfel des Mt. Revelstoke und des fing richtig an zu schütten. Wir hatten zwar Regenjacken an, aber was viel oller war, wir konnten die anderen Berge nicht mehr sehen. Also Aufstieg vergeblich.
Wir haben danach noch in Revelstoke eingekauft und sind zum Campingplatz "Hot Springs" gefahren. Da haben wir zum ersten Mal Black und Greywater gewechselt (ähh, abgelassen). Mit dem Rüsselschlauch kein Problem. Da dort die Umgebung sumpfig war, gab es natürlich Mücken. Lars meinte: "Da sitzt 'ne Mücke auf Deiner Stirn..." Klasse, danke schön, ich darf jetzt die nächsten Tage mit 'ner Beule auf der Stirn 'rumlaufen. Eigentlich wollten wir ja noch in die Hot Springs, aber es goss wie aus Eimern (die ganze Nacht durch), also machten wir uns es im Camper gemütlich.
08.09. – Auf zum Bugaboo National Park
Es regnet immer noch, aber merklich weniger wie gestern. Nach dem Frühstück sind wir zum "Giant Cedars Trail" gefahren. Das ist ein kleiner Wanderweg durch einen Riesenwald, also ein Regenwald mit riesigen Bäumen und Farnen. Superschön. Der "Skunk Cabbage Trail" war leider durch eine eingestürtzte Brücke unpassierbar und daher gesperrt. Der Regen hörte immer noch nicht auf, daher haben wir den Glacier National Park links liegen lassen, man konnte ja sowieso nicht sehen.
Also weiter über den 1327m hohen Rogers Pass. Dort wurde der Trans Canada Highway fertiggestellt und dort steht natürlich ein Denkmal mit Infocenter und mit Bussen völlig überfüllt. Von dort haben wir erst mal unsere Mamis angerufen. In dem Infocenter wird außerdem berichtet, wie die Kanadier jährlich gegen die Lawinen ankämpfen. Die kanadische Armee stellt Mörser auf, um die Lawinen rechtzeitig abzuschießen.
Dann ging es weiter Richtung Golden (Silence is golden, golden,...) und "Radium Hot Springs", wo wir eigentlich bleiben wollten, aber wir entdeckten vor den Radium Hot Springs den Bugaboo Provincial Park auf der westlichen Seite. Dort schien auch die Sonne zu scheinen, also nichts wie hin. Es wurde dann doch ein Weg von 50km mitten durch den Wald, Schotter- und Wellblechpiste wechselten sich ab. Das war Abenteuer pur.
Ich hatte die Kamera griffbereit, aber no moose, no bear, nur eine Art Auerhahn, ein Wiesel und... KÜHE...mitten im Wald Kühe!? Der Regen hatte schon längere Zeit aufgehört und wir konnten ein paar schneebedeckte Gipfel erkennen. Im Bugaboo PP gibt es auch das "Conrad Icefield", ein Gletscher auf dem man Heliskiing machen kann.
In der Nähe der Heliskiing Lodge konnten wir an dem Bugaboo River unseren Camper parken, natürlich waren wir hier draußen völlig alleine. Lars versuchte zum ersten Mal seine Angelkünste, aber erfolglos. Dafür hat er ein feines Lagefeuer gemacht. Heute nacht war es mir aber zu kalt, -2°C, und auch ein wenig unheimlich, "Watch for Wildlife!".
09.09. – Die weltgrößte Kuckucksuhr

"Campground", was für ein Ausdruck für nur 2! Stellplätze (wir hatten die freie Wahl...). Aber freilich idyllisch, wie dann nachts der Mond auf das Bächlein schien und man die hohen Berge erahnen konnte.
Heute morgen sind wir recht früh aufgestanden, was heißt eigentlich wir? Ich war es doch, der mal wieder 'raus musste, den Ofen anschmeißen.

Nach kurzem Frühstück sind wir die Gravel-Road zurück gedüst, Imke immer knipsbereit mit der Kamera...(wieder nur Kühe). Bis Kimberly war unterwegs nicht viel zu sehen, da die Berge alle wolkenverhangen waren. Radium Hot Springs und Fairmont Hot Springs, Columbia Lake und Tata Creek haben wir hinter uns gelassen.
Und dann DAS: - Kimberly - , die bayrische Stadt in den Rockies. Ja mai, is den scho wieda Woinacht?
Alles voll mit Volksmusik, Quasi-bayrischen Restaurants und der weltgrößten Kuckucksuhr. Sogar die Wasserhydranten sind mit Bayern bemalt. Hier haben wir uns aber nicht allzu lange aufgehalten --> viel zu kitschig!

Von dort sind wir über Cranbrook zur –Fort Steele Heritage Town- gefahren, einem alten restaurierten englischen Fort, das sich zu einem kleinen Dorf entwickelt hat. Eine schöne Anlage mit viel Old-Time-Flair.
Jetzt ging es wieder Richtung Rockies über Fermi nach Sparwood. Hier steht der größte Truck der Welt. Ein Muldenkipper, der im Übertagekohleabbau verwendet wurde. Der ist RIESIG!

Wir kommen nun nach Alberta. Hier sieht's mehr präriemäßig aus, viele Wüstenfelder und im Hintergrund die wolkenverhangenen Rockies ganz in tiefblau, sehr imposant.
Die erste Station hier ist Frank, ein kleines Dorf, das um 1900 einer großen Lawinenkatastrophe zum Opfer wurde, der halbe Turtle Mountain verteilte sich über das Tal.
Weiter auf dem Highway 3 schlugen wir kurz hinter Pincher Creek am Oldman River Reservoir unser Nachtlager auf, endlich mal wieder eine warme Dusche für einen Loonie... Maiskolben und Folienkartoffeln aus dem Lagerfeuer rundeten den Tag mit der bisher längsten Fahrstrecke (500km) ab.
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