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Tag 15: Vielleicht heute der Rückflug???

Nach einer unruhigen Nacht stiegen wir morgens miesgelaunt in den Bus.
Nach einer halben Stunde verloren wir den Auspuff.
Das bedeutete während der Fahrt Dieselabgas einatmen, da der Bus nur so von Löchern im Boden strotzte und im Stand den tollen Trockenfischduft inhalieren, super.
Nach 2h Fahrt erreichten wir Hombori, wo Eric vor 2 Jahren schon mal Klettern war.

Die Berge erinnern unwillkürlich an das Monumental Valley in den USA. Ein Eldorado für Kletterfreunde, leider haben wir keine Zeit für irgendwelche Aktionen und die Klettersachen haben wir auch zu Hause gelassen. Vielleicht hätten wir hier aussteigen sollen, um erstens in den Bergen wandern zu gehen und zweitens einen schnelleren Bus zu kapern.

Vormittagshitze im Bus, Fischgeruch, Dieselabgase und ein notorisch aus dem Fenster spuckender Afrikaner, der nach 1h Spucken leider nicht merkte, daß Eric irgendwann das Fenster zu machte. Die Aule verteilte sich somit quer über das Fenster (lecker, lecker).
Der Mann neben Eric hatte eine Mütze mit finnischer Landesflagge auf dem Kopf, wenn der wüßte, wie kalt dass dort ist...

Mittagshitze im Bus, Fischgeruch, Dieselabgase und die nervenden Kinder, wenn der Bus in jedem Dorf anhält, um Fahrgäste aufzusammeln (warum eigentlich, der Bus ist sowieso schon voll).
Nachmittagshitze im Bus, Fischgeruch, Dieselabgase und ein blökendes Schaf unter dem hintersten Sitz.
Mopti, die Fischfrau, mit den Unmengen Trockenfisch auf dem Dach, steigt aus. Na also! Aber natürlich gibt es auch hier wieder ein Problem, die Fischfrau hat kein Geld zum Bezahlen des Busses. Also muß sie den erst verkaufen. Dauerte ca. 2h.

18.00h, der linke vordere Reifen ist platt. Der Wagenheber geht nicht. Alle Afrikaner setzen sich in den Straßengraben und warten. (Worauf?)
Uns platzen die Nerven. Sieht nicht danach aus, daß wir heute noch in Bamako ankommen.
Also erstmal den Reifen wechseln, aber wie? Bei dem Wagenheber aus dem Bus ist das Rückschlagventil kaputt, der Bus bewegt sich keinen Millimeter. Zum Glück habe ich den 2t Hydraulikwagenheber aus dem Nissan mitgenommen (war wohl 'ne Eingebung). Bevor wir den Wagenheber ansetzten mußten wir die Radschrauben anlösen. Da gab es das nächste Problem, der Schraubenkopf war keiner mehr. Das Sechskantprofil konnte man nur noch erahnen. Wie also eine "runde" Schraube lösen? Natürlich nicht europäisch, sondern afrikanisch, Meißel ansetzen und mit dem Hammer herumschlagen. Zum Glück brauchten wir das nicht bei allen sechs Schrauben machen (es gab nur 4...).
Der Wagenheber hob den Bus um ganze 2mm an. Eine sehr, sehr wackelige Angelegenheit. Ein Wunder, daß der Ersatzreifen keinen Platten hatte (wir waren schließlich in Afrika...).
Die Schrauben wurden übrigens nach der gleichen Manier wie beim Lösen, festgezogen...
Die Nacht verbrachten wir auf dem Marktplatz von San. Einem Dreckloch, nachts kam die Gülle durch den sandigen Boden nach oben. Keine Chance den Fahrer zum Fortsetzen der Fahrt zu überreden.
Tag 16: Wir erreichen Bamako

Heute ist Freitag, unser Flug ging gestern.
Vielleicht bekommen wir heute noch einen günstigen Flug??
Wie versprochen (man glaubt es fast nicht) standen wir gegen 5.00h auf und um 6.00h war der Bus wieder auf der Straße, alles deutet auf eine frühe Ankunft in Bamako hin.
Bis der Busfahrer vor einem Haus anhält, wo ein weißer Geländewagen parkt.
"Den müßten wir ein paar Kilometer abschleppen". Na Klar, ein vollbesetzter Bus soll nun einen Sangyong-Geländewagen abschleppen, der wiederum mit 8 Leuten besetzt ist.
Die Abschleppstange ist ein Baumstamm.
Mit Seilen an den jeweiligen Enden festgezurrt. Der Busfahrer besaß so ein sensibles Gasfußgefühl, daß das Seil nur 20mal riß. Aber dann endlich ging die Fahrt weiter.
Nach 6h sind wir 180km weiter, das entspricht der unglaublichen Reisegeschwindigkeit von 30km/h.
15.00h wir sind in Bamako. Jetzt wird alles gut...

Nach ewiger Verhandlung mit dem Taxifahrer und dreimaligem Ein- und Aussteigen, sind wir uns endlich über den Fahrpreis vom Busbahnhof ins Zentrum einig geworden.
Wie Eric damals vor 2 Jahren beziehen auch wir Lager in der libanesischen Mission. Die ist mit einer hohen Mauer umgeben und wird ständig bewacht. Ein sicheres Plätzchen in mitten der Großstadtmetropole.
15.40h: Wir müssen jetzt schnell unsere Millionen CFA in Franc umtauschen, da diese in Deutschland quasi wertlos sind. Also schnell zur nächsten Bank, da diese um 16.00h schließt. Wenig später finden wir eine. Wie es scheint, sind wir die letzten Kunden. Der Kassierer teilt uns mit, das wir das Geld nur tauschen können, wenn wir ein Rückflugticket vorweisen könnten. Haben wir ja nun noch nicht!
Guter Rat ist mal wieder teuer.
Alle Banken haben jetzt zu. Die einzige Möglichkeit an unser Geld zu kommen, ist schwarz zu tauschen. Das birgt mehrere Probleme: Erstens eine seriöse Anlaufstelle zu finden, zweitens bezahlt man mit 3% genau 1% mehr Provision als bei einer Bank und drittens ca. 8.000DM ist für einen armen Afrikaner sehr, sehr viel Geld.
Wir fanden schließlich ein Hotel, indem man uns anbot, daß Geld zu besorgen, wir sollten gegen 19.00h wiederkommen. Somit blieb uns erstmal Zeit, die Reisebüros abzuklappern und einen günstigen Flug zu ergattern. Bevor wir allerdings den Flug buchen wollten, mußten wir noch unsere gefälschten Studentenausweise in die Schutzfolie einkleben. Immer alles auf die letzte Minute.
Sabena flog nicht am Wochenende, fiel also aus. Air France ist zu teuer, die einzige realistische Alternative war Air Afrique, eine Tochtergesellschaft der Air France. Dank unserer gefälschten Studentenpässe sparten wir wenigstens 200DM pro Person. So kostete der Flug aber immer noch 1000DM gegenüber 600DM bei Sabena.
In dem Reisebüro erkundigten wir uns nach dem nächsten Flug. Der Angestellte meinte, wir könnten mit Glück noch heute abend nach Paris fliegen, falls einige Passagiere vielleicht nicht den Flug antreten. War nicht realistisch aber eine Möglichkeit. Ansonsten morgen abend dann.
Als wir gegen 19.00h an dem Geldtauschhotel ankamen war der Chef erstaunt uns zu sehen. Das Geld war natürlich nicht besorgt worden. Wir sollten erstmal einen Tee trinken. Kann man den Leuten vertrauen? Große Frage...
Nach einer halben Stunde kamen mehrere Afrikaner mit Francs an. Das Geldzählen dauerte dann noch mal 30 min. Auf dem Rückweg zur Mission trennten wir uns ein wenig, um nicht so aufzufallen.
Nach dem wir das Geld deponiert hatten und unsere Sachen gepackt hatten, um zum Flughafen zu fahren, meinte der Wächter, daß unser Taxi zum Flughafen da wäre. Wir hatten aber keins bestellt! Wer also weiß von uns? "Mulmig" ist untertrieben was unsere Gefühle betrifft.
Der Wächter erzählte uns, daß sein Cousin Taxifahrer sei und bei ihm würden wir sicher mitfahren, außerdem würde das lästige Preisverhandeln wegfallen.
1 Stunde später waren wir am Flughafen, aber wie schon vermutet, gab es keine Chance bei dem Flug noch mitzufliegen, es standen ca. 10 Personen in der Warteschlange. Also wieder zurück.
Der Wächter hatte inzwischen die halbe Whiskeypulle intus, die wir ihm geschenkt hatten. Der Hunger war groß, also beschlossen wir in die Stadt zu gehen, da wir ja kein Proviant mehr hatten.
Die Nacht war schrecklich. Gewitter, 30°C, Mücken und ich hatte mir den Magen dermaßen verdorben, daß ich alle 30min auf die Toilette laufen mußte, Brechen und Durchfall wahlweise.
Tag 17: Krankenlager

Ich war alle. Konnte nicht einmal Wasser in mir behalten. Nachdem derzeitigen Zustand war ich nicht transportfähig. Was also tun. Da hatte Eric eine super Idee. Sie befeuchteten eine Bettdecke, unter die ich mich legte, damit ich wenigstens keine Flüssigkeit mehr ausschwitze. Mittlerweile war ich nämlich total dehydriert und peilte die Lage überhaupt nicht mehr.

Die Bestürzung bei Imke, als Eric und Ole dort gegen Mittag anriefen, kann man gut abschätzen...
Am späten Nachmittag ging es mir doch erstaunlich schnell wieder besser. Ich konnte auch schon wieder trinken, an den Flug wollte ich noch nicht denken. Yeki, yeki, yehyeh...
Am Abend war mir zwar immer noch schlecht, aber ich konnte schon wieder einigermaßen klar denken, also beschlossen wir zu fliegen. So schnell wie möglich raus aus dem stickigen, übelriechenden und heißen Bamako.
Als letzte Hürde auf unserer Reise wartet noch der malinesische Zoll. In Mali ist es natürlich illegal, Autos zu verkaufen (unversteuert). Da nun aber in Tunesien und in Algerien in unsere Pässe die Einreise mit Auto und der Kfz-Nummer eingetragen war, waren wir sichtlich nervös. Entdeckt zu werden hieß zwar nicht zwangsläufig eine hohe Strafe zu zahlen, aber dennoch eine empfindliche Summe an Schmiergeld.
Der große Vorteil war, daß Tunesien und Algerien arabische Staaten sind und den Paß von hinten aufblättern und abstempeln. Mali nicht. Also klebten wir die letzten beiden Seiten mit ein wenig Fanta (Sweet Sweet Fanta dialo, uh uh) zu und knickten die erste Stempelseite so, daß sie immer zuerst aufging.
Was soll ich sagen, es hat geklappt. Um 23.00h sitzen wir im Airbus nach Paris.

Ankunft 05.00h Charles de Gaulle in Paris. Ulf brachte uns auf die geniale Idee ein Auto für die Rückfahrt zu mieten. Wir suchten nun nach der billigsten Autovermietung und wurden bei Europcar fündig.
Wir könnten einen 5er BMW für lächerliche 70,-DM haben. Der müßte zurück nach Hannover. Arsch auf Eimer. Also schnell die Formulare ausfüllen und bezahlen. Die Mitarbeiterin lachte, als wir meinten, wir würden bar bezahlen, wir dann nicht mehr, als wir erfuhren, daß man ein Mietauto nur mit einer Kreditkarte bekommt. Hatte ja keiner. Einen Vertrag abschließen fiel auch aus, da am Sonntag alle Kreditkartenbüros am Flughafen geschlossen haben.
Mit der Straßenbahn fahren wir dann zum Gare du Nord. Dort Frustessen bei McDonalds. Als Ole auf die Bahnhofsuhr schaute, fiel ihm auf, daß unser TGV in 5min abfährt. Die Hälfte unseres Spitzenmahls blieb also auf dem Tablett liegen als wir zum Bahnsteig hetzten. Dort merkten wir, daß die Uhr am Bahnhofsvorplatz 15min vorging. Na dann...
Deutschland
Die Zugfahrt im TGV und ICE kostete 700DM gegenüber 70DM für den 5erBMW plus Sprit...
Am Sonntag, den 18.04.99 kamen wir dann in Hannover gegen 18.00h an, wo Imke und Sandra uns abholten.
Wow, was für eine Tour...