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Tag 10: Sengende Hitze

Im nördlichen Teil der Sahara ist es eigentlich noch recht angenehm, tagsüber hatten wir um die 38°C und nachts 15°C, das kann dann sehr erfrischend sein.
Erfrischend war auch die Aktion, die Eric nach dem Frühstück und dem Auftanken und Starten des Nissans uns einbrockte. Er mußte ja mal über die Dünen fahren...

Dies war der Zeitpunkt, wo wir entdeckten, das der Allradantrieb des Nissan Patrols nicht funktioniert. Wohl irgendein Problem mit den Freilaufnaben oder dem Differentialgetriebe. Inzwischen war es schon 10.00h und die gelbe Sau fängt an zu brennen.

Nach 1 1/2h hatten wir den Wagen wieder auf festen Untergrund und es konnte weitergehen. 10km weiter hatte Goldi2 dann aufgesetzt und wir konnten unser gerade gewonnene Schaufelknowhow erneut anwenden.

Als wäre das noch nicht genug für heute, machte der Peugeot im hinteren Radbereich komische Geräusche. Hörte sich nach einem Lagerschaden an. Zum Glück entpuppte sich das Knarschen nicht als solcher, sondern hatte sich feiner Staub zwischen den Bremsbelägen und der Bremstrommel angesammelt. Diese wurde zwar höllisch heiß, aber man kann die ja nicht alle 20km sauber machen, also muß es halten...

Nach diesen Unterbrechungen konnten wir unsere Reise zur Grenzstadt Bordj Bordji Mokhtar weiterführen.

Dann zeichnete er sich schon früh am Horizont ab, der Tanezrouftbaum. Die einzige Pflanze im Umkreis von 500km. Und endlich mal Schatten. Ein Wahnsinn das der unter diesen harten Bedingungen hier wächst und auch Wasser findet.

Die Grenzstadt Bordj Mokhtar erreichten wir am Nachmittag. Im Prinzip ist dies eine reine Militärstation, die wohl abgeschiedener nicht sein kann. Aber es gibt sogar einen Flughafen.

Hier mußten nun wieder einige Ausreiseformalitäten erledigt werden. Zunächst mußten wir uns bei der Polizei melden, dann zum Militär und schließlich zum Zoll. Das zog sich wieder einmal ganze 4h hin.
Während wir bei der Polizei saßen, es war kurz nach Mittag, erschien die Fußballmannschaft der Polizei und lief in voller Fußballtracht auf den benachbarten Fußballplatz. Auf die Frage ob es bei 42°C im Schatten nicht vielleicht ein wenig zu heiß sei, um Fußball zu spielen, meinte einer: "Das geht wunderbar, ab 50°C wird es erst zu warm." (ohne Worte...)
Vor allen Dingen stellte es sich besonders beim Zoll als sehr spannend heraus. Ole wurde nämlich verdächtigt, Drogen geschmuggelt zu haben. Also mußte der den Adler an der Wand machen und wurde gefilzt. Wie das hier in Bordji Mokhtar wohl so üblich ist, schläft man immer beim Zoll...
Tag 11: Wir erreichen Mali

Knapp die Hälfte der Pistenstrecke liegt nun hinter uns und eine Dusche wäre jetzt ein Segen. Der Staub setzt sich langsam in jede Pore. Damit die Autos nicht komplett zustauben, kleben wir jeden Tag alle Ritzen mit Paketklebeband zu, daß hilft zwar nicht auf Dauer, vermindert aber den Nebel in der Fahrerkabine.
200km nach Bordj Mokhtar kommen wir zur richtigen Landesgrenze.

Diese Grenzpassage wurde erst vor ein paar Jahren wieder geöffnet, infolgedessen ist man als Weißer so ziemlich überall eine Attraktion und die Kinder verstecken sich vor einem (die algerischen jedenfalls). Südlich der Grenze beginnt Schwarzafrika, hier ticken die Uhren noch langsamer, obwohl man das fast nicht mehr glauben kann.

Die Piste verwandelt sich nun zunehmend in mehrere parallel verlaufende Feldwege, die durch die Lkws sehr stark ausgefahren sind. Für den Nissan aufgrund der Bodenfreiheit kein Problem, doch Goldi2 blieb des öfteren stecken.
Außerdem ist die Landschaft nicht mehr karg sondern die ersten grünen Pflanzen wachsen hier. In diesem Fall Millionen von Zierkürbissen.

In Tessalit, ca. 200km nach der Grenze, mußten wieder diverse Formalitäten erledigt werden. Darunter fiel auch ein Laissez-Passer Touristique, wobei dies noch eine große Hürde darstellte. Einer der beiden Zollbeamten hatte Schwierigkeiten, die Karosserienummer zu lesen. Tatsächlich sah es so aus, als hätte jemand die Ziffern weggeflext und neue eingestanzt. Die Diskussion dauerte mal wieder länger als eine halbe Stunde, aber mit zwei Zigarettenschachtel für den Zollbeamten, konnten wir den Zoll hinter uns lassen. (Man gut, daß die Autos in Afrika verkauft werden...)

Wir fuhren jetzt durch eine bizarre Berglandschaft mit sehr spitzen Felsen. Die spitzen Steine verursachten bei Goldi2 den ersten Plattfuß. Der Reifen war schnell gewechselt und dir Fahrt setzte sich durch steppenähnliche Landschaften fort.

Immer wieder mußten wir trockengelaufene Wadis durchqueren. Die stellen sich immer eine heikle Passage dar, da der Sand in einem Wadi sehr weich ist.
Manchmal sind Brücken vorhanden, die sind aber meistens von den LKW's so ausgefahren, daß eine sehr hohe Kante das Befahren mit einem PKW unmöglich macht.

Leider hatten wir nicht immer Glück, die Wadis zu durchqueren. Der weiche Sand bremst das Auto kontinuierlich ab, bis man letztendlich steht. Dann heißt es Schaufeln. Für diese 10m brauchten wir wieder an die 2 Stunden. Auto hochbocken, Sand unter der Fahrzeugmitte wegschaufeln, Planke unter den Hinterreifen legen und wieder 2m vorfahren. Und das ganze bei über 40°C im Schatten...

Ein paar Afrikaner, die mit einem Lkw voll Datteln in Richtung Süden unterwegs waren, sahen schließlich, dass wir uns so abmühten, Goldi2 wieder freizubekommen und kamen uns glücklicherweise zu Hilfe. Um die Antriebswirkung der Reifen zu erhöhen ließen wir Luft aus den Reifen. Das half enorm, gut daß der Lkw einen Kompressor hat, so konnten wir bequem die Reifen wieder füllen, nachdem wir wieder auf festem Untergrund waren.
Natürlich bekamen die freundlichen Helfer ein paar Zigaretten und Altkleider geschenkt...

Afrikanischer Elchtest...

Ein wenig Abseits der Hauptpiste fanden wir hinter einer Felslandschaft den idealen Platz für die dritte Übernachtung in der Sahara. Hier gab es auch genügend Buschwerk und trockene Hölzer, so daß wir unser Essen auf dem Lagerfeuer zubereiten konnten. Das Bier war gestern beim Zoll zu Ende gegangen, wird Zeit, daß wir wieder in die Zivilisation kommen...
Tag 12: Auf nach Gao

Man merkt so langsam, daß man immer südlicher reist, da die Nächte sich nicht mehr so stark abkühlen. Auch morgens brutzelt die gelbe Sau schon ganz schön.
Falls heute nichts unerwartetes mehr passiert, ist Gao unser Ziel.

Immer öfter sieht man nun Tuaregs, Nomaden mit ihren Kamelherden oder kleine Dörfer mit den so typischen Lehmhäusern und dutzenden Eseln.

Ab und zu gabelt sich der Feldweg und man muß ständig abschätzen, welcher besser zu befahren ist, an der einen Stelle hatte Eric mit seiner Streckenwahl Pech gehabt und Goldi2 schoß nach einem Hügel durch die Luft und blieb stecken.

Eine Weile später bereitete Goldi2 uns schon wieder Sorgen, der 2. Reifen war nun platt und nach dem Reifenwechsel unser Vorrat an Ersatzreifen aufgebraucht. Im Klartext hieß das, daß wir die nächsten 300km bis Gao keinen Plattfuß mehr haben dürfen.

Kurz vor Gao fühlte sich die Servolenkung des Nissan komisch an. Nach dem Öffnen der Motorhaube, stellte sich heraus, daß der Antrieb der Servoeinheit einen Lagerschaden hat und die Servoflüssigkeit so langsam herausspritzt. Bis Gao muß es halten, ansonsten geht das Lenken halt "etwas" schwerer.

Dann endlich erreichen wir nach 4 Tagen in der Sahara die erste Asphaltstraße in Gao.
Wie schön ruhig das im Auto sein kann...
Schlafstation wurde der örtliche Campingplatz Yarga, soweit man das so bezeichnen kann.

Auf der Piste ist so ziemlich alles zugestaubt. In jeder Pore sitzt der Dreck. Das ganze Cockpit gleicht einer Dünenlandschaft...

Die Söhne des Chefs besorgten sogleich Eis und Bier, während wir uns erstmal eine ordentlich Dusche gönnten.
Der Campingplatz entspricht zwar keinem 3Sterne-Platz in Deutschland, dennoch freuen wir uns, ein wenig Komfort genießen zu können.

Als nächstes standen mehrere Telefonate an, um die Freundinnen und Eltern zu beruhigen. Dafür gibt es in Gao eine Telefonzentrale, wo wir Deutschland kontaktieren können. Der Angestellte hatte übrigens eine sehr schmucke Hutablagentoilettenrollenabdeckungsmütze.
Bei der Wahl seiner Leselektüre wurde ich etwas stutzig, das war nämlich eine Sharp-Videorecorder-Bedienungsanleitung, ich glaube kaum, das er einen Videorecorder besitzt, wo man doch die Anzahl der Fernseher in Gao an einer Hand abzählen kann....
Völlig erschöpft fielen wir so gegen 24.00h unter unserem Moskitonetz in den Schlaf.
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