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Saharadurchquerung - Tanezrouftpiste - Teil 3

Erlebnisurlaub Europa Afrika Italien Tunesien Algerien Mali April 1999
Lars Reckemeyer, Eric Böttger, Sven Ole Borg
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Tag 7: Wir erreichen die Piste...(oder doch nicht?)

Sonnenaufgang bei Ghardaia Die erste Nacht außerhalb der Zivilisation. Was für ein Sonnenaufgang. Gestärkt mit diesen Erlebnissen wollten wir es heute eigentlich bis Reggane (Pistenanfang) schaffen, aber es sollte mal wieder anders kommen.
Das Debakel begann in El Hassi Fahl ein kleines Dörfchen ca. 150km hinter Ghardaia. Als wir unsere Pässe und die Zettel den Polizisten gaben sind diese in ihr Häuschen verschwunden und waren nicht mehr gesehen.
Warten in El Hassifal Nach einer halben Stunde, wir hatten inzwischen feinste Aldiwürstchen zum Mittag genossen, kam ein Polizist und meinte es würde noch dauern. Auf die drängende Frage nach dem Warum, konnte er nur mit den Schultern zucken, naja macht nix, es waren ja nur 40°C im Schatten ohne Schatten...
Nach 1 1/2h wollten wir den Kommandanten sprechen, da uns die Warterei nun langsam spanisch vorkam. Nach einer Weile hatte sich Herr Kommandant nun endlich bequemt mal zu erscheinen. Es wäre doch ganz klar warum wir hier warteten. Uns war es aber gar nicht klar. Nun ja, vor 1h sei der Polizeikonvoi in El Menia (El Golea) gestartet der uns hier abholt. Was?!?! Wir sitzen hier 2h in der Sonne und keiner sagt uns Bescheid, super.
Konvoi Nach geschlagenen 3h Wartezeit sahen wir in der Ferne den Konvoi, wir trauten unseren Augen kaum, vier nagelneue Toyota Landcruiser mit jeweils 6 Polizisten mit Kevlarwesten und Maschinenpistolen rollten dort an.
Der Konvoi bestand also nur aus unserem Peugeot und Nissan und den erwähnten Polizeiwagen. Ergiebig!
El Golea Jugendherberge So erreichten wir nach etwa 2 1/2h El Menia (El Golea). Unser Schlafplatz war hier eine Jugendherberge.
Laut der Polizei sollten wir noch heute zur Stadtverwaltung und fragen, wann der nächste Konvoi in Richtung Timimoun abfährt, denn auch die nächsten 300km sollten aufgrund erhöhter Banditenaktivität besser nur mit Polizeigesellschaft gefahren werden. Bei der Stadtverwaltung stellte sich allerdings heraus, daß der nächste Konvoi erst in drei Tagen geplant ist. Krise!
Krisensitzung in der Jugendherberge. Da drei Tage warten völlig indiskutabel waren, beschlossen wir zurück zur Polizeistation zu fahren und den Kommandanten zu bitten, uns bis Timimoun zu begleiten. Ein paar Schachteln Zigaretten (das übliche Bestechungsgeld) genügten und der Chef sagte zu, uns morgen früh zu begleiten. Abfahrt 8.00h. Das Problem wäre also schon mal aus der Welt geschafft.
Beim Mechaniker Bevor wir aber relaxieren konnten, mußten wir uns noch um Goldi2 kümmern. Denn bevor wir auf die Piste kommen, sollten wir doch auch das andere Federbein schweißen lassen, also machten wir uns auf die Suche nach einer Mechanikerwerkstatt. Der Mechaniker, den wir gefunden hatten, war sehr nett und hilfsbereit, allerdings gibt es in El Menia (El Golea) nur ein Schweißgerät. Wir haben also das Federbein ausgebaut und ein Angestellter ist dann mit Eric auf dem Mofa zum Schweißer gedüst.
Nachdem Goldi2 wieder fit war, sollten wir den Mechaniker und seine Familie zu Hause besuchen und die Einladung zu Abendessen annehmen. Hunger war da, Zeit auch, warum also nicht? Nebenbei konnten wir ja auch wieder ein paar Klamotten verkaufen...
Als wir zurück zur Herberge kamen, wartete ein Algerier schon auf uns. Ihn hatte man extra für uns besorgt, da er einer der wenigen Algerier im Ort war, der englisch sprach. Was für eine Erleichterung gegenüber dem sehr verrosteten Schulfranzösisch...

Tag 8: Jetzt aber bis zur Piste...

Die Route in Algerien Teil2 Wow, der Tag beginnt mit einer Dusche. Die erste auf der Reise... Vor lauter duschen vergaßen wir fast die Zeit, schließlich mußten wir noch zur Bank ein paar Dinar eintauschen und die Autos vollzutanken, man weiß ja nie, welche Tankstelle in Afrika plötzlich mal kein Benzin mehr hat... Das praktische an unserer Verspätung war aber, das wir nicht extra zur Polizeistation fahren mußten. Der Konvoi kam zu uns. Nachdem wir gegen 8.15h immer noch tankten, beschlossen die Polizisten wohl uns zu suchen, so ganz untypisch für Afrika. Somit hatten wir auch schon in der Stadtdurchfahrt kompletten Rundumschutz.
Aldi Würstchen Nach ca. 150km stoppte dann plötzlich der Konvoi und der Chef meinte, wir könnten ab hier problemlos weiterfahren. Daß wir an der Grenze soviel bezahlen mußten, hatten wir spätestens hier wieder vergessen, da die Polizisten sehr nett waren extra für uns diesen Konvoi zu stellen und das kostenfrei, von ein paar Zigaretten mal abgesehen.
50km weiter mußten wir an einer Militärstation halten. Der Kommandant fragte, wo unser Konvoi sei. Schulterzucken, der hätte uns vor 50km verlassen, war unsere Antwort. Der Kommandant zog sich samt unserer Ausweise zurück. Mal wieder Ratlosigkeit unsererseits. Nach 15min kam er wieder, nebenbei bemerkten wir, daß ein Militär-Lkw mit ca. 20 Soldaten beladen wurde und sich zur Abfahrt bereit machte. Er würde uns nun bis Timimoun bringen müssen, sagte er, als er uns unsere Pässe zurückgab. Also schon wieder Konvoi...
Auf dem Weg nach Reggane Nach 100km erreichten wir am frühen Nachmittag Timimoun (www.algerie-guide.com). Der dortige Polizeikommandant schenkte uns nach den Formalitäten noch drei Baguettes, was uns erstmal zu einer Essenspause veranlaßte. Aldiwürstchen, Thunfisch aus Dosen und 20 Liter Wasser mit Vitamin C-Tabletten. Noch 355km bis Reggane, dem letzten Ort vor der Piste.
Vor der Protection Civil Alles ausgepackt Als wir abends in Reggane ankamen wurden wir zur Protection Civile geschickt, die unsere Wüstenausrüstung checken soll. Wir erklärten den Platz neben der Protection Civile auch für unseren Schlafplatz, deshalb breiteten wir unsere Sachen für einen gründlichen Check übersichtlich aus.
Die Ausrüstungskontrolle verlief ohne Vorfälle und uns wurde erlaubt, morgen nach dem Volltanken in die Wüste zu fahren. Die Protection Civile meldet uns dann an der Grenzstation Bordj Bordji Mokhtar an und falls wir dort in vier Tagen nicht auftauchen würden, würde nach uns gesucht werden. Das klingt doch sicher.
Der Kommandant saß dann noch nachts bei uns am Lagerfeuer und wollte Geschichten aus Deutschland hören. Er trank sogar Bier. Auf die Frage, was Allah denn wohl dazu sagen würde: "Allah sieht nachts schlecht!". Na klar.

Tag 9: Der erste Tag in der Sahara

Tanken in Reggane Jetzt hieß es alle Vorräte auffüllen und nichts zu vergessen, besonders nicht das letzte Telefonat nach Deutschland, denn in den nächsten 4-6Tagen wird es keine Telefonverbindung geben.
Das Volltanken erwies sich auch wieder als sehr spannend, da die Mengenanzeige für Diesel nicht mehr ging. Ich weiß nicht, wie der Bursche dann auf die getankte Menge gekommen ist.
Kleine Anekdote am Rande: Super konnte man nur 20Liter pro Fahrzeug tanken, da nicht mehr genügend Kraftstoff vorhanden war. Der Nachschub war zwar schon da, neben der Zapfsäule stand ein prall gefüllter Tanklastwagen, allerdings war die Kraftstoffpumpe kaputt, insch allah....
(Man gut dass wir in Adrar nochmal alles aufgefüllt haben...)
Die Route in Algerien Teil3
Vor der Piste Da standen wir also vor der größten Wüste der Welt und die nächsten 1365km nichts als Staub und Sand vor uns. Die Tanezrouft-Piste.
Auf der Piste Die ersten 150km verliefen ohne Zwischenfälle, man mußte sich allerdings an das Fahren auf der Piste gewöhnen, da man Schlaglöcher sehr schnell übersieht und dann fliegt die komplette Ladung im Innenraum herum.
Batterieproblem Dichtpaste Plötzlich bemerkte ich einen komischen Geruch und die Bordinstrumente funktionierten nicht mehr. Was nun? Wild gestikulierend versuchte ich den anderen beiden klar zu machen, wir müssen anhalten. Als Eric die Motorhaube aufmachte, hörte wir nur ein lautes SCHEIßE!
Batterieproblem Totes Kamel Wie sich herausstellte, hatte sich die Halterung der einen Batterie gelöst und diese wiederum fiel auf den Krümmer. Was also nun tun? Zurückfahren und eine neue Batterie kaufen? Dauert zu lange, beschlossen wir und prüften die Spannung der Batterie. Diese hatte noch 6V, also vielleicht funktioniert sie wieder, wenn wir sie dicht bekommen und Wasser auffüllen.
Nach dem Abdichten und Auffüllen hatten sie auch wieder 10V. Aber als wir sie wieder eingebaut hatten und den Motor starteten polte sich die Batterie um und stand auf minus6V. Das war dann ein Kurzschluß innerhalb der Batterie und damit war sie so tot, wie das Kamel, welches gleich in der Nähe lag.
Alles wieder klar Goldi gehts auch gut Wenn der Nissan einmal gestartet wurde, läuft er auch ohne Batterien. Das heißt also, daß zum Starten die Peugeot-Batterie ausgebaut werden mußte, der Nissan gestartet, und die Batterie zurück in den Peugeot gerödelt werden mußte. Aufwendig, aber es funktionierte.
Somit lief der Nissan dann immer von morgens bis abends durch. Komischerweise gab es auch bei längeren Pausen in der Hitze keinen Wärmestau.
Auf der algerischen Seite der Tanezrouft-Piste geht es abgesehen von einigen weichen Sandpassagen relativ zügig voran. Teilweise kann man an die 80 km/h fahren, was bei auftretendem Wellblech sehr ratsam ist. Die Stoßdämpfer werden dabei allerdings einer harten Belastungsprobe unterzogen. Die des Nissans waren schon nach der Hälfte der Piste hin. Das äußerte sich in sehr dollen Sprüngen und einem irren Krach, so daß man das nicht mehr funktionierende Radio nicht vermissen konnte.
Die erste Düne Schlafplatz Damit man die Piste auch nachts fahren könnte sind alle 10km sogenannte "Balises solaire" aufgestellt, das sind Solar-betriebene Akku-Lampen auf Betonpfählen, die aber allesamt nicht mehr funktionieren. Aber tagsüber bieten sie eine klasse Orientierungshilfe, man braucht im Prinzip keinen Kompaß.
Bei PK 400 erreichen wir die einzige Dünenlandschaft auf dieser Sahararoute. Klar, daß wir das als Nachtlager buchen.
Nochmal ein gründlicher Autocheck und ein weiterer Versuch, wenigstens die Bordelektronik zu retten. War aber vergebens. Der Peugeot hält die Strapazen bis jetzt sehr gut aus, setzte zwar schon ein paar mal auf, aber das untergeschweißte Schutzblech verfehlte seine Wirkung nicht.
Völlig erschöpft von den ersten Strapazen fielen auf unseren Decken in den Schlaf.
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©2009 Lars Reckemeyer - Letzte Änderung am 25.05.2009
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