Ankunft in Finnland mit der Finnjet von Travemünde nach Helsinki. Die erste Nacht habe ich bei Mettäläs (Daniels Onkel und Tante) in Järvenpäa verbracht. Dort noch die Spikes von Bob eingeladen und der Passat war rappeldicke voll. Schließlich wurden auch noch 7 Paletten Karlsquell mitgeschmuggelt.
Nach ein paar Nächten in einer Hütte auf dem Campingplatz, die ich mit dem Polen Mateuzs teilen musste, war ich noch eine Woche in Vasa. Dort gab es diverse Einführungsveranstaltungen, wo ich dann auch Christian aus Wolfenbüttel und Patrik kennenlernte. Kokkola lag 120km nördlich von Vasa und ich war der einzige Gaststudent an der schwedischen technischen Fachhochschule, der so weit entfernt war.
Als ich wieder in Kokkola ankam, konnte ich endlich in das Studentenwohnheim einziehen. Meine beiden WG-Mitbewohner waren ein Finne Tero Juntunnen und ein Chinese Wang (so habe ich ihn genannt und er hat sich nicht beschwert...). Nach einer gründlichen Grundreinigung der Küche und des Bads konnte man dort auch wohnen. Tero war sehr nett und wir erkannten schnell die gemeinsamen Leidenschaften (Alkohol und Sauna). Wang hatte jeden Abend mindestens 5 andere Chinesen auf seinem Zimmer und es gabe eine entsprechende Geräuschkulisse. Außerdem haben die Chinesen immer viel gekocht und gebraten (auch noch gerne nachts um 2h), den Ölverbrauch schätze ich auf 1-2l pro Woche.
Mein Arbeitsplatz ist bei der Firma HUR, die Fitnessgeräte entwickelt und herstellt. Die Basis sind dabei keine Gewicht, sondern Luftdruck gegen den man arbeiten muss. Den ersten Monat bin ich in der Produktion und Montage beschäftigt. Da alle Mitarbeiter noch recht jung sind, hatten wir schon vom ersten Tag an viel Spaß.
Mit den anderen Gaststudenten und ihren Betreuern waren wir am Wochenende oft weg und natürlich auch mal zusammen in einer kultigen Holzofensauna bei Mats am Meer.
Die FH-Partys im FH-Keller schon legendär und doch so anders als in Deutschland. Zuerst hat jede FH oder Uni ihre eigenen Overallfarben. Die Overalls sind über und über mit Aufnähern und ähnlichem versehen, je voller, desto länger studiert... Die ersten 2 Stunden werden sitzend verbracht, es gibt natürlich Koskenkorva (Vodka) und es wird viel gesungen und zwar alle zusammen. Jeder Gaststudent muss auf jeden Fall ein Lied aus seiner Heimat singen, so auch die Japaner, Niederländer, und auch wir Deutschen.
Zum Wochenabschluß gingen wir oft in die Sauna. Danach fuhr ich dann wieder in den Norden nach Kokkola.
So langsam definierte sich auch meine Studienarbeit, die ich auf englisch schrieb. Es ging dabei um die Verbesserung der Lagergehäuse der Luftdruckzylinder, die bis dato aus Stahl selbst gefertigt wurden und nun aus Kunststoff gebaut werden sollten. Ein Dauerbelastungstest und verschiedene Bruchtests mussten durchgeführt und analysiert werden.
Nach 2 1/2 Monaten kam Imke endlich vorbei. Mit einer Propellermaschine landete sie in Vasa, wo ich sie mit Patrik abholte. Ich hatte dann eine Woche Urlaub und wir fuhren nach Vuokatti, wo wir drei Tage kostenfrei im Sportzentrum übernachten konnten. Vuokatti ist durch seinen 1,5km Skitunnel bekannt und man trifft hier wichtige Wintersportler.
Nach dem Faulenzen sind wir den weiten Weg zum Polarkreis nach Rovaniemi gefahren und haben sogar noch Rentiere gesehen.
AM Polarkreis war es mit -15°C recht kalt und auf dem Rückweg nach Kokkola fing es auch noch zu schneien an. Man gut, das der Passat Spikes hatte.
Im Dezember dominierten die Feier. Die HUR-Weihnachtsfeier fand im Serahoune-Hotel statt. Erst Sauna, dann Essen und viel Trinken, danach ging es in die hoteleigene Disco.
Die Weihnachtsfeier der FH in Vasa war erst sehr festlich. Eine St. Lucia Huldigung durfte auch nicht fehlen. Danach abtanzen im FH-Keller.
Bei meiner Abschiedsfeier bei HUR, waren wir erst Gokart fahren auf der gegenüberliegenden Bahn und ich war schneller als mein Chef. Zum Abschluss durfte eine Sauna nicht fehlen und schon garnicht die Grillimakkaras aus dem Kamin.
Eine sehr erlebnisreiche Zeit geht zu Ende, in der ich viele Leute und gute Freunde kennengelernt habe. Die Finnen zu verstehen kann man versuchen, aber es ist wohl zwecklos...